Vagabundierender Steppenwolf

20. September 2006

Nun, was für mich Vagabundieren bedeutet, habe ich ja im ersten Post geschrieben (und ich empfehle hier mal ganz blog-unlike von unten nach oben zu lesen). Vielleicht sollte ich jetzt noch ein Bisschen was über mich und meine Vagabundiererei schreiben. Und warum ich diesen Blog vagabunden.leben.im.einundzwanzigsten.jahrhundert überschrieben habe.
Also, das begab sich so: Es war einmal ein kleiner Schuljunge, der sich manchmal in der Schule gelangweilt hat. Er spürte irgendwie, dass die Schule ihn nicht so wirklich auf das Leben in der großen weiten Welt vorbereiten würde. Das Leben, das wusste er auch, würde anderes von ihm fordern, als mathematische Gleichungen mit 3 Unbekannten zu lösen. Und dass die Schule das eigentlich Unbekannte offen lassen würde.
Zum Milleniumswechsel war dann die Schule endlich vorbei. Nichtmal eine Woche später ging der erste Flug in die große weite Welt. Bolivien war es, das aus dem Schuljungen unwiderruflich einen Vagabunden gemacht hat. Aber mit Vagabundiererei ist ja nicht mehr nur loses Herumwandern gemeint, es verbindet eine kritische Weltsicht und der feste Glaube, dass es möglich ist, die Welt ein Bisschen besser zu verlassen, als man sie vorgefunden hat. Gleich die erste Reise verband die Erkundung der schönen und interessanten Dinge des Landes mit entwicklungspolitischen Themen, und einer kritischen Auseinandersetzung mit dem öffentlichen sozialen Sektor. Und so ging es dann weiter. Nein, erst noch brav Zivildienst machen, dann weiter. Wieder Südamerika. Reisen zur Selbsterfahrung, Erkundung von Land und Leuten, Arbeiten in verschiedenen sozialen Einrichtungen. So ging es dann weiter. Bolivien hat sich wie ein roter Faden durch die letzten Jahre gezogen. In einer mathematischen Gleichung wäre das die Grundkonstante. Die Variablen liegen in Ostafrika und Südostasien. Alle Aufenthalte dienten zum Erwerb „praktischer Erfahrung“, wie es in meinem Lebenslauf heißen würde. Eigentlich ging es um Selbstbildung, die ganzen großartigen Erfahrungen mit fremden Menschen und natürlich immer wieder freiwillige Arbeit in verschiedenen Einrichtungen, die mit den verschiedensten Menschen gearbeitet haben, Straßenkinder, oder Kinder in Armutsverhältnissen, verschleppte Mädchen und Frauen, Menschen mit HIV und so weiter. Und warum das alles? Nun, mittlerweile war aus dem Schüler ein Student geworden. Und auch die Uni kann in ihrer Lehre doch ein wenig einseitig sein. Da muss noch etwas dazu, da muss man raus, sich angucken wovon die an der Uni sprechen. Ethnologie und Pädagogik sind großartige Fächer, wenn man aber nicht raus geht, versteht man nie so ganz, worum es wirklich geht. Und Verstehen ist wichtig für Vagabunden. Also, raus!
So wie jetzt, in gut 2 Wochen steht die nächste Reise an. Diesmal Brasilien und die umliegenden Länder. „Wie macht der das bloß immer?“ fragen sich viele. Nun, bescheiden Leben und fleißig arbeiten hilft schon mal. Der DAAD hat die Magisterarbeit gesponsert. Weiterhin wurde aus dem Studenten irgendwann auch noch ein GLENy, das sind Menschen, die von ASA ein Stipendium bekommen, um im Global Education Network (GLEN) mit zu machen. Diese versenden junge Europäer als Tandem für drei oder vier Monate in die weite Welt, um praktische Erfahrungen zu sammeln, so wie den Steppenwolfen und seine tschechische Partnerin. Das Großartige an diesem Netzwerk ist, dass es immer noch am wachsen ist und in ganz Europa viele junge Leute viele tolle Dinge auf die Beine stellen (deswegen räume ich GLEN hier auch ein Bisschen mehr Raum ein).

Auf dieser Seite werden sich nun nach und nach verschiedene Posts und Seiten sammeln, die mit Reisen und Entwicklungszusammenarbeit, bzw. mit Sozialarbeit in Entwicklungsländern zu tun haben. Ich versuche dabei auf alles einen kritischen Blick zu wahren und persönliche Erfahrungen weiter zu geben. Dieser Post hier sollte dazu dienen meine eigenen Erfahrungen ganz kurz zu umreißen. Dann wird es vielleicht leichter, nachfolgende Posts einzuordnen, wer weiß, was da noch kommt. Meine Mitbewohnerin hat mir netterweise neulich einen Link geschickt, wo man seine Auslandsaufenthalte grafisch darstellen kann. Ich dachte ich mach das mal, des optischen Eindrucks wegen. Komme mir dabei aber schon wie ein kleiner Angeber vor (insbesondere weil meine Mitbewohnerin ihre Karte direkt daneben gehalten hat). Aber es geht mir hier wirklich nur darum, meinen persönlichen Horizont zu verdeutilchen, damit man den Hintergrund etwas kennt, auf dem ich hier fröhlich vor mich hinschreibe.


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Dass ich hier nicht angeben will zeigt auch, dass ich Länder, durch die ich nur mal ein, zwei Tage durchgereist bin, erst gar nicht markiert habe. Dabei wären das zum Teil große Länder gewesen, die viel rot gemacht hätten.

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